Walken, Nature-Circle und Co.: Ist die Kontrolle der Herzfrequenz für jeden ein Muss?
Natürlich gehört es mittlerweile zum kleinen Einmaleins jedes Aktiven, dass sich die Herzfrequenz zur Intensitätskontrolle sehr gut eignet. Denn sie ist mit Hilfe der „Pulsuhren“ leicht zu messen und dank der Massenproduktion für jeden erschwinglich. Das ist vielleicht einer der Gründe, warum die Zahl der selbst erkorenen Experten und Ratgeber auf diesem Gebiet so groß ist. Ich möchte Ihnen ein paar Hintergrundinformationen liefern, damit Sie sich selbst ein Bild über die Sinnhaftigkeit der vielen Tipps machen können:
Viele sportlich aktiven Menschen möchten ihre aktive Freizeitgestaltung dazu nutzen, um neben dem Spaß an der Bewegung und einer Steigerung der Leistungsfähigkeit ein paar überschüssige Fettpölsterchen loszuwerden. Dementsprechend werden Sie bei Begriffen wie „Fat burning“ oder „Fettverbrennungspuls“ hellwach. Dahinter steckt der Irrglaube, dass es zur Reduktion von Fettgewebe notwendig ist, während der sportlichen Aktivität möglichst ausschließlich mit Hilfe des Fettstoffwechsels die benötigte Energie bereitzustellen. Auf diese falsche Vorstellung war ich bereits in einer vorangegangen Ausgabe der Zeitschrift eingegangen. Um es klar zu sagen: Eine Pulsuhr für einen kreislaufgesunden Walker oder Nordic Walker ist vielleicht ein willkommenes, auf jeden Fall aber ein überflüssiges Geschenk. Denn er kann sich einfach nicht zu hoch belasten, es sei denn, er geht seinem Sport in den Bergen nach. Die Intensitätskontrolle beim Training macht dagegen einen Sinn, wenn es z.B. bei gefährdeten Menschen darum geht, eine Überlastung zu vermeiden oder wenn ambitionierte Sportler ihre Leistung verbessern wollen. Eigentlich wäre es dabei wünschenswert, wenn man die Stoffwechselsituation erfassen könnte. Sie ist aber zur Zeit leider nur mit Messverfahren zu erfassen, die entweder Blut benötigen (Laktatanalyse) oder aufwendig und teuer sind (Atemgasanalyse). Deswegen macht man sich zu Nutze, dass die Stoffwechselsituation mit der Herzfrequenz innerhalb einer Person eng gekoppelt ist. Wenn bei Ihnen also einmal der Zusammenhang zwischen Stoffwechselsituation und Herzfrequenz bekannt ist, können Sie im Nachgang die Pulsmessung zur Stoffwechselkontrolle gut einsetzen. Solche Diagnostiken werden mittlerweile von vielen Medizinern und Sportwissenschaftlern angeboten. Leider gibt es einen kleinen Wermutstropfen: Der Zusammenhang ist bewegungsspezifisch oder einfacher ausgedrückt - Sie können die Ergebnisse einer Raduntersuchung nicht auf das Laufen übertragen und umgekehrt. Wenn Sie das berücksichtigen, wird die Pulsuhr zu einem guten Ratgeber. Vergessen sollten Sie aber so allgemeine Ratschläge wie „Puls 130“, und selbst die Regel „Belastungspuls = 180 minus Lebensalter“ trifft für viele nicht zu. Ich kenne Athleten, die sich damit vollkommen unterfordern würden, während andere deutlich überfordert wären. Das liegt daran, dass die maximal erreichbare Herzfrequenz neben dem Alter noch von vielen anderen Faktoren abhängig ist. Wenn Sie ein Belastungs-EKG ohne Anzeichen auf eine Erkrankung absolviert haben und während des Sports zu den „Hochpulsern“ gehören, dann sollten Sie das einfach als biologische Variante akzeptieren und keine Angst davor haben.